Die Schweizer Bank Lombard Odier wurde in einem Geldwäschefall in Usbekistan zu einer Geldstrafe von 3,6 Millionen Pfund verurteilt.

Logo von Lombard Odier in der Mitte, mit der Schweizer Flagge oben links und der usbekischen Flagge unten rechts | complycube

Am 27. Juli 2026 verhängte das Schweizer Bundesstrafgericht eine Geldbuße von 3 Millionen CHF (rund 17 Billionen CHF 3,6 Mio.) gegen die Schweizer Privatbank Lombard Odier, weil diese es versäumt hatte, schwere Geldwäsche durch einen ehemaligen Mitarbeiter zu verhindern.

Der ehemalige Mitarbeiter, ein Kundenbetreuer von Lombard, wurde zu einer 24-monatigen Haftstrafe verurteilt, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Darüber hinaus ordnete das Schweizer Gericht die Einziehung von Vermögenswerten in Höhe von über 400 Millionen Schweizer Franken an, die mit dem illegalen System in Verbindung stehen. 

Welches Urteil fällte das Gericht gegen die in Genf ansässige Bank Lombard?

Laut Gericht lässt sich der Fall auf ein Netzwerk namens “das Büro” zurückführen. Dieses Netzwerk steht in Verbindung mit Gulnara Karimova, der Tochter des ehemaligen usbekischen Präsidenten Islam Karimov. Angeblich transferierte das Büro Gelder aus Korruptionsfällen, in die ausländische Telekommunikationsunternehmen verwickelt waren, die sich auf dem usbekischen Markt eine bevorzugte Behandlung erhofften. 

Der ehemalige Kundenbetreuer von Lombard Odier verwaltete die relevanten, mit dem Netzwerk verbundenen Konten. Die Schweizer Behörden stellten fest, dass er Hinweise darauf kannte, dass einige Vermögenswerte aus Korruption im usbekischen Telekommunikationssektor stammen könnten. Trotzdem führte er nur oberflächliche Prüfungen durch und versäumte es, Herkunft und wirtschaftlichen Zweck des Geldes ausreichend zu überprüfen.

Schweizer Bank Lombard Odier droht Geldstrafe wegen Verbindungen zu usbekischem Geldwäschenetzwerk | complycube

Unter Artikel 102 Gemäß dem Schweizer Strafgesetzbuch war Lombards Geldwäschebekämpfungsprogramm nicht ausreichend, um die Straftat zu verhindern. Insbesondere versäumte es das Programm, die Herkunft und den wirtschaftlichen Zweck der Gelder zu untersuchen und zu dokumentieren.

Lombard hat die Gerichtsentscheidung angefochten und erklärt, sie habe sich niemals wissentlich oder willentlich an Geldwäsche beteiligt. Die Bank betonte zudem, sie habe 2012 proaktiv eine Meldung über verdächtige Aktivitäten eingereicht und anschließend mit den Behörden kooperiert.

Das Urteil ist daher noch nicht endgültig. Dieser Fall ist von entscheidender Bedeutung, da es darum ging, ob die Bank über die richtigen Governance-, Eskalations- und Ermittlungsmechanismen verfügte, um Mitarbeiter ausreichend daran zu hindern, kriminelle Erträge zu ermöglichen.

Mitarbeiterrisiko im Verborgenen

Ein weniger beachteter Aspekt der Vorgeschichte ist die Verbindung des ehemaligen Mitarbeiters zu den Kunden, bevor er zur Bank kam. Angeblich kannte der Kundenbetreuer Karimova und einige Mitarbeiter des Büros bereits, bevor er zu Lombard wechselte.

Dies führt zu einer Schwachstelle. Zwar kann das bestehende Netzwerk eines Bankers einen geschäftlichen Nutzen haben, doch birgt es erhebliche Risiken und Interessenkonflikte, insbesondere wenn es mit einem einflussreichen Netzwerk wie dem Office verbunden ist. Compliance-Teams sollten daher bestehende Beziehungen als eigenständigen Risikofaktor behandeln.

Relevante Fragen können beispielsweise sein:

  • Hat der Mitarbeiter ein finanzielles oder reputationsbezogenes Interesse an der Aufrechterhaltung der Geschäftsbeziehung?
  • Werden die Kundendaten unabhängig überprüft oder größtenteils von der Bank bereitgestellt?
  • Hat der Mitarbeiter von einer Eskalation abgeraten oder Hochrisiko-Warnmeldungen als normal für den Kunden dargestellt?
  • Werden Compliance-Herausforderungen unabhängig von der Umsatzverantwortung dokumentiert und gelöst?

Die volle Tragweite des Falls wird unterschätzt.

Das Schweizer Gericht hat die Beschlagnahme von über 400 Millionen CHF ($487 M) angeordnet, die mit der Geldwäsche in Zusammenhang stehen oder unter der Kontrolle des Amtes stehen. Der Fall Lombard ist Teil der umfassenderen Karimova-Ermittlungen, in deren Zuge die Schweizer Behörden seit 2012 im Rahmen der entsprechenden Verfahren fast 800 Millionen CHF eingefroren haben.

Regulierungsstrafen nicht ausreichen der Gesamtkosten der Nichteinhaltung.

Die Schweiz und Usbekistan vereinbarten, dass die beschlagnahmten Vermögenswerte im Zusammenhang mit Karimova über einen Treuhandfonds der Vereinten Nationen zurückgegeben werden. Harry Varatharasan, Chief Product Officer bei ComplyCube, erklärt: “Regulatorische Strafen decken die Gesamtkosten der Nichteinhaltung nicht ab. Vermögenssperren, Wiedergutmachungsmaßnahmen und Reputationsschäden wiegen weit schwerer als die verhängten Geldstrafen.”

Wichtigste Erkenntnisse zur Einhaltung der Vorschriften und was Sie als Nächstes erwartet

Der nächste Schritt in diesem Fall ist Lombards Berufung. Compliance-Teams sollten mit einer genaueren Prüfung der Wirksamkeit der Kontrollmaßnahmen in der Praxis rechnen. Dies gilt insbesondere, da Schweizerische Finanzmarktaufsicht (FINMA) identifiziert die private Vermögensverwaltung als einen Sektor mit erhöhten Geldwäscherisiken.

Trotz der Einreichung einer Verdachtsmeldung zeigt dieser Fall, wie Aufsichtsbehörden Unternehmen hinsichtlich der Wirksamkeit ihrer Compliance-Kontrollen bei der Bekämpfung illegaler Geldflüsse überprüfen und hinterfragen können. Die Lehre daraus: Die Aufdeckung von Geldwäsche beweist nicht automatisch die Wirksamkeit des AML-Rahmenwerks. 

1. Überprüfen Sie den Zweck der Transaktionen

Selbst wenn ein Kunde stichhaltige Nachweise über seine Vermögensherkunft vorlegen kann, können einzelne Transaktionen dennoch verdächtig erscheinen. Compliance-Teams sollten daher prüfen, ob eine Transaktion einen klaren Zweck verfolgt und nicht, ob sich der Kunde die Transaktion leisten kann. Dies kann beispielsweise Warnmeldungen zu Transaktionen umfassen, die ungewöhnlich hoch sind oder nicht dem erwarteten Aktivitätsverhalten des Kunden entsprechen.

Erfahren Sie, wie Transaktionsscreening kann die Identifizierung und Erkennung von Risiken in Echtzeit unterstützen.

2. Dokumentierte Eskalation

Unternehmen sollten transparente Prüfprotokolle führen und nachvollziehbar darlegen, wie Probleme gelöst wurden. Dies kann beispielsweise beinhalten, welche Bedenken festgestellt wurden, welche Fragen gestellt wurden und welche Beweise zur Lösung herangezogen wurden. Berichte müssen nicht lang sein. Sie sollten vielmehr mehr als nur die Genehmigung eines Kunden oder einer Transaktion aufzeigen.

Erfahren Sie, wie Fallmanagement-Tools kann Teams dabei helfen, einen konsistenten Prüfpfad zu führen.

3. Mitarbeiterbeziehungen als Risikofaktor behandeln

Wenn ein Mitarbeiter einen Kunden kennt oder mit ihm zusammengearbeitet hat, sollte diese Beziehung offengelegt werden. Dies gilt insbesondere dann, wenn die Beziehung einen hohen wirtschaftlichen Wert hat, da sie unbewusste Voreingenommenheit hervorrufen oder es erschweren kann, die Erklärung des Kunden zu hinterfragen. Eine unabhängige Überprüfung der Beziehung kann dazu beitragen, dass die gebotene Sorgfaltspflicht nicht durch die Beziehung ersetzt wird.

Erfahren Sie, wie KYC-Fragebögen kann Ihnen dabei helfen, diese Beziehungsrisiken zu erkennen und zu bewältigen.

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Weitere Neuigkeiten zum Thema Geldwäschebekämpfung finden Sie in ComplyCubes Newsletter „Trust Edition“. Wir beleuchten die neuesten Entwicklungen im Bereich der Identitätsprüfung und der Bekämpfung von Geldwäsche weltweit. 

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