Die britische Finanzaufsichtsbehörde FCA hat gegen drei ehemalige Führungskräfte von Dolfin Financial wegen eines Betrugs im Wert von 35,5 Millionen Pfund vorgegangen, der Kunden dabei half, die Visabestimmungen für Investoren zu umgehen. Die FCA stellte fest, dass das Unternehmen ein illegales System betrieb, das es Kunden ermöglichte, britische Tier-1-Investorenvisa zu erhalten, ohne zwei Millionen Pfund Eigenkapital investieren zu müssen.
Der ehemalige Vorstandsvorsitzende von Dolfin, Denisz Nagy, wurde mit einer Geldstrafe von 324.800 £ belegt, der ehemalige Finanzdirektor, Sanjay Maraj, mit einer Geldstrafe von 122.000 £. Beiden wurde zudem die Tätigkeit im britischen Finanzdienstleistungssektor untersagt. Das Verfahren gegen den Mitbegründer des Unternehmens, Roman Joukovski, ist noch vorläufig.
Wie das Dolfin-System jahrelang unentdeckt blieb
Der Britisches Tier-1-Investorenvisum Das Programm wurde 2008 eingeführt und bot vermögenden Privatpersonen, die mindestens 2 Millionen Pfund in die Wirtschaft investiert hatten, eine attraktive Möglichkeit, eine Aufenthaltsgenehmigung zu erhalten. Aufgrund von Sicherheitsbedenken, insbesondere im Zusammenhang mit korrupten Eliten, wurde das Programm 2022 für neue Anträge geschlossen.

Die Untersuchung der FCA ergab, dass die Mehrheit der Kunden im Rahmen des Dolfin-Programms zwischen 2016 und 2019 lediglich Gebühren in Höhe von rund 400.000 Pfund zahlten. Mindestens 99 Personen erhielten im Rahmen des Programms Investorenvisa, während mit Dolfin verbundene Unternehmen und Einwanderungsagenten mindestens 35,5 Millionen Pfund an Gebühren verdienten.
Im Wesentlichen konnte das System die Behörden aufgrund mehrerer Faktoren umgehen:
- Die Illusion der Konformität: Die Vereinbarung war bewusst so gestaltet, dass der Eindruck entsteht, die Kunden hätten die Investitionsanforderung von $2 Millionen durch gefälschte Dokumente erfüllt.
- Verborgene Netzwerke: Die Transparenz von Millionen von Transaktionen wurde durch Drittanbieterkanäle, darunter auch Einwanderungsbehörden, auf mehreren fragmentierten Ebenen verschleiert.
- Tätigkeit als autorisiertes Unternehmen: Da Dolfin Financial (UK) Ltd als reguliertes Vermögensverwaltungsunternehmen tätig war, entging es einer verstärkten behördlichen Kontrolle.
Berichten zufolge spielten Herr Nagy und Herr Joukovski führende Rollen bei der Konzeption und Durchführung des Systems. Gleichzeitig war Herr Maraj für die finanziellen Aspekte des illegalen Systems verantwortlich.
Die FCA stellte außerdem fest, dass Herr Joukovski seine Beteiligung und Rolle in dem Betrugssystem vorsätzlich verschleiert hat. Die Ermittlungen dauern jedoch noch an, da Herr Joukovski gegen seinen Bescheid Berufung beim Obersten Gerichtshof eingelegt hat, wo sein Fall verhandelt wird.
Der Zeitplan des Dolfin-Programms von 2019 bis 2026
Die Überprüfung erfolgte erst, als die FCA weitergehende Warnsignale hinsichtlich Dolfins Finanzkriminalität feststellte und Bekämpfung der Geldwäsche (AML) Kontrollen, die Ende 2019 zu ersten freiwilligen Beschränkungen führten. Hier ist der vollständige Zeitplan des Dolfin-Programms:
- 2019: Die FCA verhängte freiwillige Beschränkungen gegen Dolfin, nachdem sie Bedenken geäußert hatte, unter anderem hinsichtlich des Geschäfts mit Tier-1-Investorenvisa und der Kontrollen zur Bekämpfung von Finanzkriminalität. Eine unabhängige Überprüfung des Unternehmens wurde gemäß Abschnitt 166 eingeleitet.
- 2021: Die Überprüfung deckte erhebliche Mängel bei Dolfins Einstellungsverfahren und den Kontrollmechanismen zur Bekämpfung von Finanzkriminalität auf. Die FCA untersagte dem Unternehmen daraufhin die Ausübung seiner regulierten Tätigkeiten. Monate später wurde Dolfin unter Sonderverwaltung gestellt und insolvent.
- 2022: Das britische Innenministerium hat die Route für das britische Tier-1-Investorenvisum offiziell geschlossen.
- 2026: Die FCA gab die Ergebnisse der einzelnen Durchsetzungsmaßnahmen bekannt.
Die von Dolfin Financial Ltd. benötigten Compliance-Kontrollen
Die traditionellen Know-Your-Customer-Prozesse (KYC) stellen zunächst die wichtige Frage: Wer ist dieser Kunde? Der Fall Dolfin verdeutlicht jedoch ein entscheidendes Problem für Compliance-Teams: Die Identitätsprüfung allein reicht nicht aus, um das Risiko von Finanzkriminalität zu managen.
Dies gilt insbesondere für Fälle mit hochkarätigen Geschäftsbeziehungen, wie beispielsweise beim britischen Tier-1-Investorenvisum. In einem rechtskonformen Rahmen müsste Dolfin mehr tun, als nur die Identität zu überprüfen. Das Unternehmen müsste ein umfassendes Verständnis seiner Kunden nachweisen, einschließlich der Herkunft ihrer Gelder, des Visumzwecks und der Art ihrer Geschäftsbeziehung.
Compliance-Lektion 1: Erweiterte Sorgfaltspflicht – mehr als nur eine Checkliste
Der Fall Dolfin verdeutlicht, warum Transaktionen mit hohem Wert einer eingehenderen Prüfung bedürfen, die über das bloße Vorhandensein von Belegen hinausgeht. Unternehmen müssen über ausreichende Kontrollmechanismen verfügen, um nachvollziehen zu können, wo Millionenbeträge angeblich investiert werden und ob diese Aktivitäten überhaupt sinnvoll waren.
Dies umfasst das Verständnis der Herkunft der Gelder, ob der Kunde tatsächlich Eigentümer oder Verwalter der Gelder ist, ob Dritte beteiligt sind und ob die Transaktion ihrem angegebenen Zweck entspricht. Dadurch lassen sich ungewöhnliche Verhaltensweisen später leichter erkennen. Daher sollten Geschäftsbeziehungen mit höherem Risiko sorgfältig geprüft werden., Erweiterte Due Diligence (EDD), Die Überprüfung der Herkunft der Mittel (Source of Funds, SoF) und des Vermögens (Source of Wealth, SoW) ist von besonderer Bedeutung.
Compliance-Lektion 2: Starke Unternehmensführung ist Teil der Prävention von Finanzkriminalität
Die wichtigste Lehre aus diesem Fall betrifft die Unternehmensführung. Compliance-Systeme sind nur so gut wie die Menschen, die sie bedienen und respektieren. Eine starke Compliance-Infrastruktur kann eine Kultur nicht kompensieren, in der Führungskräfte kritische Kontrollen ignorieren können, ohne dafür zur Rechenschaft gezogen zu werden.
Eine starke Unternehmensführung sollte daher klare Eskalationsprozesse gewährleisten. Dazu gehören dokumentierte Entscheidungsfindung, eine angemessene Aufgabentrennung und ein Prüfprotokoll, das nicht nur die getroffene Entscheidung, sondern auch die Person und die Gründe dafür aufzeigt.
Compliance-Lektion 3: Kontinuierliche Kundenrisikobewertung als unabdingbare Voraussetzung
Ein Kunde kann einen gültigen Reisepass besitzen, die biometrische Überprüfung bestehen und Sanktionen erfolgreich umgehen oder Politisch exponierte Person (PEP) Screening birgt dennoch erhebliche Risiken. Deshalb muss KYC heutzutage zunehmend eine fortlaufende Risikobewertung und nicht nur eine einmalige Überprüfung sein.
Die Identitätsprüfung muss parallel zur Kundenprüfung, den Herkunftsprüfungen der Gelder und laufende Überwachung. Letztendlich geht es bei effektiver Compliance nicht nur um die Bestätigung der Kundenidentität. Es geht darum zu verstehen, woher sein Geld stammt, warum er Transaktionen durchführt und ob sein Verhalten auch langfristig nachvollziehbar ist.

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